Alte Bekannte

Als wir gestern das Haus verlassen haben, fanden wir diesen Zettel an unserer Tür:

Ein Nachbarschaftsfest mit Blumen und Musik. Da wir uns hier ja schon quasi als Locals fühlen, werden wir uns das mal ansehen…

Der Verkehr über die Williamsburg Bridge läuft noch nicht wieder rund, und so haben wir ein paar Extraminuten in der Metro verbracht. Immerhin auf der Brooklyn-Seite, d.h. im Tageslicht.

Ein Rundgang durch Chinatown und Little Italy fühlte sich für mich dann an, als wäre ich gerade eben noch hier gewesen…

(Ein ähnliches Bild von meiner Bleibe hatte ich schon in 2017 gepostet)

(Der Mousse au Chocolat Cheese Cake war ein komprimiertes Stück Butter – ja, die Leute hier lieben es offenbar üppig)

Von Chinatown Canal Street Station ging es dann zum Madison Square in der 14ten Strasse.

Die Trommeln haben uns den Weg ins Drummers Collective gewiesen und dort haben wir den Nachmittag mit Paolo und Su Nan verbracht. Es war ein schönes Wiedersehen und ehrlich gesagt, soviel hat sich in den letzten Monaten garnicht verändert.

(Bei gutem Wetter wäre der Vorplatz vom Union Square voll mit Schachspielern, Skateboardern und Breakdancern. Aber wir waren sicherlich nicht das letzte Mal an diesem Platz)

In diesem wenngleich teuren aber unspektakulären Appartementhaus lebte James Rizzi, ein New Yorker Pop-Art-Künstler, der 2011 leider dort mit 61 Jahren verstorben ist. Das Haus liegt in der Lafayette Street im Künstlerstadtteil SoHo und sein Loft in der 5ten Etage wurde 2013 für 2,65 Mio. $ verkauft. Wir haben die Bilder von Rizzi auf unseren Aida-Urlauben kennengelernt und sind seitdem Fans von ihm.

Hergebracht hat uns aber auch wieder eine liegengebliebene U-Bahn auf der Brooklyn Bridge. So hat ein Umweg dann auch manchmal gute Seiten.

Werbeanzeigen

Ein bisschen mehr Luxus

Verglichen mit meiner Reise allein nach NY in 2017 ist 2018 alles ein wenig luxuriöser und entspannter. Wir sind am Abend vor dem Flug normal ins Bett gegangen und waren somit am Reisetag relativ ausgeschlafen. Da der Plan das letzte Mal ja nicht funktioniert hat auf dem Flug zu schlafen, und ich in der ersten Woche nur sehr schwer in die neue Zeitzone kam, wollte ich diese Variante probieren.

Die erste unerwartete Überraschung auf dem Flug war meine Beinfreiheit.

Vor meinem Platz fehlte ein Sitz, obwohl ich nicht am Notausgang saß. Dieser Platz ist direkt über den Tragflächen, 51D für die A380-Experten. Warum es 50D nicht gibt, ich habe keine Ahnung.

Jedenfalls konnte ich mich lang machen und das Bordentertainment sowie das Essen genießen. Wirklich kein Vergleich zu meinem letzten Flug Frankfurt-New York in der letzten Reihe an der Bordwand!

Dunja’s Einreise dauerte leider deutlich länger als meine, da sie sich in der ESTA-First-Time-Schlange mit 100ten anderen Passagieren anstellen musste. Und da der J-Train wg. Gleisbauarbeiten nicht bis zu unserer Haltestelle in der Nähe unserer Unterkunft fuhr, und wir für das letzte Stück in einen Bus umsteigen mussten, waren wir erst gegen 16:30 (lokale Zeit; +6 Stunden MEZ) in der 830A Quincy Street in Brooklyn.

AirBnB ist ja immer ein wenig Überraschungsei, und als wir durch die Eingangstür ins Treppenhaus kamen, dachte ich schon: Oh-oh…

Allerdings ist Carol, die Mom unseres AirBnB-Kontakts sehr nett, und das Appartement übertraft unsere Erwartungen bei weitem. Alles ist sehr sauber, gepflegt und geschmackvoll eingerichtet. Die Fenster gehen Richtung Hinterhof und wir bekommen von der Straße kaum etwas mit. Dafür aber umso mehr Vogelgezwitscher den ganzen Tag. Es ist fast so, als würden wir in einer Voliere schlafen. Die Bäume vor unseren Fenstern sind zwar noch kahl, aber die Vögel nisten in unseren Fensterkästen. Es ist traumhaft friedvoll und nachts können wir bei offenen Fenstern schlafen. Das hätte ich wirklich nicht erwartet.

Der Broadway, die Hauptverkehrsstrasse durch Brooklyn ist nur 5 Minuten entfernt, und dort gibt es einen Supermarkt neben dem anderen sowie jede Menge Restaurants und Geschäfte. Wir waren dann noch für’s Frühstück einkaufen und haben beim China-Imbiss je eine Portion Shrimps over Rice für 5,50$ gegessen bevor wir uns auf den Nachhauseweg gemacht haben.

Hier ein paar Impressionen vom Frühstück am Sonntagmorgen:

(Essen mit Ausblick)

(Vollausgestattete Küche)

(Unser Ausblick beim Frühstück)

(Frischer Kaffe, Lachs und…)

(…Spiegeleier!)

Alleine war ja auch schön – irgendwie – aber das ist schon eine andere Klasse…

Nochmal mein erstes Frühstück in 2017:

Und, für was würdet ihr euch entscheiden?

Am Sonntag startete dann unser Tag mit einem Besuch beim lokalen Polizeirevier. Aber keine Panik, wir wurden weder ausgeraubt noch angeschossen, sondern haben die Geldbörse von Tiffany dort abgegeben, die wir am Vorabend auf dem Nachhauseweg gefunden hatten. Aber so haben wir mal das 81st Precinct der NYPD von innen gesehen ohne gleich dort einzuziehen…

Der Rest des Tages sah dann so aus:

(Ausgedehnter Spaziergang durch Brooklyn den Broadway hinauf Richtung Manhattan)

(Aha, da hat der Flo also seine Niederlassung – muss aber aus der Zeit vor den zahlreichen Ironmans gewesen sein…)

(Der Charme der Gegend ist einmalig)

Den Rest des Tages haben wir dann im Century 21, dem New Yorker Outet und auf Ground Zero, sprich dem 9/11 Memorial verbracht. Das Mahnmal und dazugehörige Museum kann man kaum in Worte fassen.

Und was darf am ersten Tag zum Abschluss in dieser Stadt nicht fehlen? Wer’s errät bekommt eine All-you-can-eat-Portion dort von mir spendiert…

Check – check – one – two…

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier… Und ich habe irgendwann ja schonmal geschrieben, dass ich bestimmt nicht das letzte Mal in NY gewesen bin…

Morgen ist es schon soweit… Bildlich gesprochen ist es fünf vor zwölf… Ich habe nämlich noch keinen Koffer gepackt. Nicht, dass ich untätig wäre, aber ich habe den Tag mit Zusammensuchen der ganzen Elektronik-Hardware verbracht… Kabel, Akkus, Speicherkarten, Ladegerät, Mehrfachsteckdose, Stromadapter etc.

Meine Frau könnte also berechtigterweise die Krise kriegen, zumal ich jetzt auch noch anfange Blog zu schreiben. Aber das ging mir so die letzten Tage durch den Kopf. Quasi NYC-Reloaded…

Allerdings eben nicht allein, sondern diesmal als Paar. Ohne vorab gebuchten Kurs am Drummers Collective… Aber evtl. ein paar Einzelstunden. Liebgewonnene Plätze besuchen, mit Dunja teilen… alte Bekannte wiedersehen… Und natürlich das entdecken, was beim letzten Mal zeitlich nicht mehr drin war…

Wieder ohne festen Plan und eher abseits ausgetretener Pfade, soweit das überhaupt möglich ist. Und da mein letzter Blog offenbar einige interessierte Leser gefunden hat, werde ich auch diese 13 Tage wieder hier festhalten. Wen es also interessiert, ist herzlich eingeladen, wer nicht, meldet sich einfach ab.

So, und nun muss ich endlich anfangen zu packen!

OMG, OMG, OMG…!!!

Einen letzen Beitrag bin ich noch schuldig, und zwar den von meinem Rückreisetag. Auch dieser ungefiltert und ehrlich, selbst ich bin nicht unfehlbar… 😜 Und ich bin saufroh, dass ich diesen von zuhause aus Deutschland schreiben kann und nicht irgendwo aus der Nähe vom Flughafen JFK…

Der Tag war an Dramatik für mich kaum zu überbieten, und ich hätte gerne drauf verzichtet; aber der Reihe nach.

Nach dem langen Abend in Harlem, und da ich sowieso kein Frühstück mehr hatte, wollte ich ausschlafen und dann direkt in Chinatown Mittagessen gehen. Das hat auch super geklappt und ich habe das von Martin (aus dem Collective) beschriebene 5$-Gericht gefunden. „Shrimps over rice“ aus einer borderline-akzeptabel aussehenden Küche mit angeschlossenem Sitzbereich.

(Die rechte Tür zur Bestellaufgabe und die linke zu einem Raum mit Tischen und Stühlen wo man sein Gericht aus dem Plastikteller essen kann)

Hat soweit mit genug Sojasoße auch gut geschmeckt und war reichlich. Ob ich das nun öfter gemacht hätte, wenn ich das früher als am Abreisetag ausprobiert hätte, möchte ich trotzdem bezweifeln. Die durchschnittlich 12$ Aufpreis zu einer Iss-dich-satt-Portion vom Whole Foods Buffet sind zwar nicht ohne, aber es war mir dies auch im Nachhinein wert gewesen, da weniger Kohlenhydrate und garantiert – naja, ich gehe mal davon aus – bio, d.h. organic.

Und noch etwas zum Thema Konstanz; ich war schon kurz davor in einer Bäckerei in Little Italy meinen Nachtisch zu kaufen, aber auch hier wollte ich keine Experimente machen, und bin stattdessen zu Starbucks. Ihr könnt ein paar Beiträge früher nachlesen, was ich dort gegessen und getrunken habe…

Meine Frau hat immer die besten Ideen, so bin ich dann nochmal durch Chinatown geshoppt auf der Suche nach einer günstigen Reisetasche für mein Mehrgepäck. Ich hätte die Schuhe, etliche T-Shirts und Mitbringsel garantiert nicht in den Koffer bekommen, aber mittlerweile wußte ich auch, dass ich 2x 23kg Gepäck aufgeben durfte. Die Reisetasche (und noch mehr T-Shirts) habe ich dann auch gefunden und bin zufrieden mit meinen Einkäufen und heraus gehandelten Preisen zurück in mein Zimmerchen um nun alles in Koffer und Reisetasche zu verstauen.

Das letzte Mal, als ich auf die Uhr sah, war es 17:30, und ich war so gut wie fertig. Ca. 75 Minuten hat Google für die Stecke mit Metro und Airtrain zum JFK ausgegeben, d.h 19:15 dort zur Kofferabgabe sollte allemal reichen, wenn der Flieger um 20:55 abhebt.

Als ich in der Metrostation Canal Street stand und auf die Uhr gesehen habe, war es allerdings bereits 18:37… und der J-Train kam nicht bei… Es war 18:45, als ich endlich in der Metro saß! Und da haben dann schon 5 Minuten gefehlt, da 19:55 der Baggage Drop-off geschlossen werden würde!

Was ich mir dabei gedacht habe und warum es auf einmal schon so spät war; ich weiß es nicht.

Jedenfalls saß ich in der Metro und bin schon fest davon ausgegangen, dass es diesmal wahrscheinlich nicht reicht… Der Zug ist nämlich dermaßen vor sich hin gebummelt, und die Zeit ist mir auf der 25-Stationen-langen Strecke durch die Finger geronnen…

Aber ich konnte nix anderes tun als ruhig zu bleiben, und mir mantramäßig vorzudenken, dass es schon einen Sinn haben würde, wenn ich den Flieger verpasse. Wahrscheinlich würde ich sonst abstürzen oder mir würde das Trommelfell platzen da ich ja aufgrund der Erkältung Probleme mit dem Druckausgleich hatte. Irgendwo in der Pampa aussteigen und in ein Taxi wechseln nur um dann im Stau zu stehen, dafür war es definitiv zu spät. Ich hatte keine Optionen mehr außer im Internet nachzuschauen, wie ich am schnellsten von der Metrostation in den Airtrain komme.

Ich bin gerannt!

Ich weiß nicht mehr, wie spät es war als ich endlich aus der Metro rauskam, aber als ich im Airtrain saß, war es bereits 19:40. Noch zwei Rolltreppen und ca. 30m in der Abflughalle; das Schild auf dem Counter des mittlerweile menschenleeren Singapore Airlines Checkin sagte kurz und bündig: closed.

19:53 zeigte mein Handy…

Die Dame ein paar Meter links von mir fragte dann: Matthias?

Und ich habe ihre Worte schon gehört; I’m sorry, you’re too late…

Have you been waiting for me? fragte ich zurück.

Nun ja, ich würde diese Zeilen nicht von zuhause schreiben; sie hatten tatsächlich auf mich gewartet. Da ich ja bereits in der Vornacht eingecheckt hatte, wußten sie, dass ich prinzipiell mitfliegen wollte… Und eigentlich hätte ich es verdient gehabt im Gepäckraum zu frieren, aber sie haben mir dann auch noch einen sonst aufpreispflichtigen Platz mit mehr Beinfreiheit angeboten…

Schlafen konnte ich – wahrscheinlich wegen der Überdosis Adrenalin in meinem Blut – trotz 2 Hoggar Night nicht wirklich und so habe ich das doch recht gute Bordessen mitgenommen. Und der Pilot hat vollen Schub gegeben. Nicht wegen mir, aber trotzdem sind wir fast eine Sunde vor der planmäßigen Ankunft in Frankfurt gelandet. Sascha hat mich liebenswerterweise vom Flughafen abgeholt und wir haben gemeinsam noch schön gefrühstückt. OMG, was hat der Kaffee so gut geschmeckt! 3 Wochen musste ich ohne zum Frühstück auskommen und wußte garnicht, was mir gefehlt hat…

Es ist schon ein seltsames Gefühl, dass nun alles vorbei ist. Aber zurückblickend kann ich sagen: Beste Entscheidung EVER!!!

Mir hat das Schreiben dieses Reiseblogs soviel Spaß gemacht, wie euch hoffentlich das Lesen. Das Feedback, über das ich mich sehr gefreut habe, war jedenfalls immer sehr positiv.

Die nächste Zeit werde ich die vielen Eindrücke und Anregungen erstmal verarbeiten. Ein paar kleine Trigger wie die Silikon-Untersetzer vom Chelsea Market, der I ❤️ NY-Kühlschrankmagnet oder eine meiner Hymnen wie True, Rock the Casbah oder mittlerweile auch Jay-Z’s Song „Empire State of Mind“, welches ich etliche Male auf meinen Busrouten gehört habe, werden mich dabei immer wieder kurz in das Abenteuer NYC2017 zurück holen.

Harlem Nights

Ich habe mich schon ein wenig schwer getan den letzen vollen Tag sinnvoll zu gestalten. Die Luft ist ziemlich raus und meine Gedanken kreisen eher um die Rückreise. Fragen wie: Bekomme ich alles in den Koffer; brauche ich noch ein Nasenspray gegen meine Erkältung; gibt es noch Souvenirs, die ich kaufen muss…?

So richtig aus dem Quark bin ich gestern Morgen auch nicht gekommen, sodass es dann schon Mittag war, als ich Richtung MoMA (Museum of Modern Art) aufgebrochen bin. Aber die 4-5 Stunden, die ich dort hatte, haben locker ausgereicht um alles zu sehen.

Ich will euch nicht mit kleinen Handyfotos von bedeutenden Kunstwerken langweilen, lediglich das Gemälde von Chirico, woraus ich in der Abi-Prüfung mal eine Collage gestalten musste, wollte ich zeigen. Es ist nicht genau das Bild, aber zumindest aus der Serie. Fand ich nett, das nach so langer Zeit mal im Original zu sehen.

Das Museum ist schon groß mit 5 Etagen plus 2x Keller, aber gut zu bewältigen. Nach dem 10ten millionenschweren Meisterwerk ist bei mir ohnehin meist die Aufnahmekapazität erschöpft. Enttäuschend fand ich etwas, dass lediglich zwei kleine Dalis zu sehen waren. Insgesamt schneidet meiner Meinung nach unser Museum für Moderne Kunst in Frankfurt nicht schlechter ab.

(In diesem Garten saß ich dann noch eine Zeit lang und habe gechillt)

(Die Amerikanische Flagge darf in einem New York Blog natürlich nicht fehlen)

(Diese Installation fand ich mal etwas Außergewöhnliches)

Im Keller hat das MoMA zwei Kinos, und ich habe dort noch die letzte Stunde von Husbands von 1970 gesehen. Naja, ich habe die Zeit eher so verträumt und war dann etwas überrumpelt, als der Film schon aus war…

(Vor dem Apollo Theater; gehört auch zu New York; wahrscheinlich haben sie hier gerade ein Musikvideo gedreht)

Auf dem Weg zu Ginny’s Supper Club durch Harlem’s Straßen habe ich mich dann schon etwas deplatziert gefühlt. Ich war mit meiner ethnischen Herkunft eindeutig in der Minderheit, und es haben sich schon ein paar finstere Gestalten dort herum getrieben. Es war zwar helllichter Tag, aber ich rechne nicht damit, dass mir jemand helfen würde, wenn eine Gruppe Jugendlicher Interesse an meinen 190$-Schuhen oder meiner Geldbörse anmelden würden…

(Das sich der Ginny’s Supper Club im Keller des Red Roosters befindet, hatte ich zum Glück in den Rezensionen gelesen; den winzigen Schriftzug im Fenster oben rechts hätte ich ganz bestimmt übersehen)

Das Restaurant Roter Hahn gibt es – manch einer weiß es – auch in Rüsselsheim. Aber soweit mir bekannt ohne Jazz im Keller…

Ich hatte mich dann auch nochmal wegen des Hinweises von Martin auf das gute Essen für mein Abschlussdinner dort entschieden. Mir wäre zwar das Buffet im Marriott Marquis Drehrestaurant am Times Square vom Gedanken her lieber gewesen, aber das hätte zeitlich nicht für die 7:30-Vorstellung gepasst. So war ich um 6 dort und konnte mir den vordersten Tisch zur Bühne im bumskalten Club aussuchen.

Der Abend, Musik, Essen, Service, Ambiente etc. war dann auch eines krönenden Abschlusses würdig. Meine 3 Gänge waren saulecker und geschmacklich mal etwas außer der Reihe. Und der Service war so nett, zuvorkommend und unaufdringlich, dass ich mich am Ende nochmal mit Handschlag bei Miguel bedankt habe.

Mwenso & The Shakes haben die Bude gerockt, als gäbe es kein Morgen; allesamt 12 herausragende Musiker und eine Show, die ich bisher selten – wenn überhaupt – gesehen habe. Michael Mwenso ist quasi im Ronnie Scott’s Jazz Club in London aufgewachsen und stand einige Jahre mit James Brown auf der Bühne. Er hat viel von dessen Charisma und Bewegungen geerbt, und interessanterweise hatte James Brown seinen Durchbruch im Jahr 1962 in unmittelbarer Nähe, nämlich im Apollo Theater in Harlem.

Das zweite Set konnte ich dann kostenlos von der Bar ansehen, und das war vor allem deshalb super, weil die Klimaanlage dort nicht so geblasen hat.

Und um dann auch wirklich alle Optionen ausgelotet zu haben, bin ich anschließend noch in das 449 LA. Das war der bisher intimste Club mit mehr Musikern als Zuschauern. Obwohl ich das einzige Weissbrot dort war, haben mich die Menschen dort auf herzlichste empfangen, und so musste ich dann auch noch den Birthday Cake der Sängerin probieren bevor ich mich auf den langen Nachhauseweg einmal quer durch die Stadt gemacht habe.

So wie Lisa, Christian und ich den Ausblick in der 230 Fifth Rooftop Bar hatten, werde ich die Stadt und dieses Abenteuer in Erinnerung behalten. Und nun ist auch der Zeitpunkt zu sagen: I ❤️ NY

Die spinnen, die New Yorker…

Wer mich kennt oder hier evtl. mitgelesen hat, weiß spätestens jetzt, dass ich ein ziemlich konstanter Typ bin, der seine Strukturen und festen Abläufe braucht. Mit Veränderungen tue ich mich schon oft schwer, und auch während dieses Abenteuers versuche ich mir kleine Inseln zu schaffen, an denen ich ankern kann. Der McDonalds unter dem Collective ist so eine Insel und so war ich dann gestern das letzte Mal zum Lunch dort. Ich habe immer nur das Doppel-FischMc-Menü gegessen; das Einzige, was variiert hat, war das Getränk. OK, da ich i.d.R. kein Fleisch esse, bleibt da auch nicht soviel Auswahl, aber nachdem es mir das erste Mal geschmeckt hat, habe ich auch nix anderes mehr gesucht. Ich war zufrieden mit meiner Wahl.

Meine New York-Hymnen „True“ von Spandau Ballet und „Rock the Casbah“ von The Clash habe ich mir diesmal aber selbst per Spotify auf den Kopfhörer gegeben… ich wollte diesen Moment nicht dem Zufall überlassen… 😜

Danach standen nochmal 2h Practise Time auf dem Programm und meine letzte Private Lesson mit Dave Previ. In der Lektion gab es jetzt so erstmal nix bahnbrechend Neues, eher mein Problem der starken rechten und schwächeren linken Seite nochmals anderes beleuchtet. Vielleicht war die Eindringlichkeit mit der mir Dave die entsprechenden Übungen erklärt hat nochmals eine andere. Ich werde mir jedenfalls intensive Gedanken zur Aufteilung meiner 2 Stunden Übezeit/ Tag machen und überlegen, welche Bestandteile dort wie lange auf dem Plan stehen werden.

(links Dave Previ und rechts Paolo vom Collective Staff, ein netter Kerl, der aus Italien stammt und auch ziemlich gut deutsch spricht)

(Martin vom Collective Staff kommt aus Luxemburg und hat mir einige gute Tipps gegeben, oder wir haben einfach mal so über dies und das gequatscht…)

Apropos Struktur; wo war ich dann zum Dinner? Ich muss es nicht schreiben, aber auch das war dann mein Abschied vom Union Square und lieb gewonnenen Plätzen und Gewohnheiten.

Da ich meinen halben Hausrat, wie Yogamatte, Blackroll und Collective-Ordner dabei hatte, bin ich erstmal nach Chinatown zurück gefahren. Da habe ich dann auch noch meinen dicken Hoodie und die Regenjacke eingepackt, da ich nochmal die Nachttour mit dem Sightseeing-Bus machen wollte. Beim ersten Mal hat es ja geschüttet und ich konnte das nicht so richtig genießen. Gestern Abend war das Wetter schön und einigermaßen warm. Und ich liebe es mit dem oben offenen Doppeldeckerbus durch die Hochhausschluchten zu fahren… vor allem bei Nacht…

Allerdings vergeht die Zeit hier wie im Flug und mein Ticket war bereits morgens um 8 abgelaufen. Kein Zweifel, die 96h waren vorbei und der Typ wollte mich nicht in den Bus lassen, trotz meiner charmanten Bitte. Es hatte keinen Sinn sich irgendwo zu beschweren also bin ich schon Richtung Dunkin Donut um zu überlegen was ich jetzt mache. Und da dachte ich mir: Nächster Bus, neues Spiel… bin eingestiegen, und in dem Getummel ging die Anzeige „Ticket expired“ auf seinem Display dann auch unter…

Der Preis für die Mitfahrt war allerdings nach jedem Satz sein Credo: Oh yeah, it’s true! Allright! Gefühlte 150 Mal stach mir der Spruch ins Trommelfell und die Gesangs- und Schauspieleinlagen haben dann auch klar werden lassen: Ja, ich bin in New York im Touribus…

(War schon zugig und für meine leichte Erkältung natürlich nicht optimal… nur die Harten kommen in den usw. …)

(Fahrt über die Manhattan Bridge)

<

Die 9/11-Celebrations stehen ja kurz bevor und die beiden Lichtstrahlen in den Himmel symbolisieren die gefallenen Twin Towers)

Trotzdem habe ich jede Minute der Fahrt in vollen Zügen genossen. Ich kann so eine Fahrt gerade in New York, wo man dann schön nach oben schauen und die Wolkenkratzer bewundern kann nur empfehlen.

Zwei Dinge, die ich noch erwähnen möchte. Was ist das wichtigste Teil an einem Auto auf New Yorks Strassen? Die Hupe! Auch wenn sonst nix mehr geht, ein Auto ohne ist nicht fahrbar… Allerdings ist das Hupen eher so von der Art: Mach dich aus dem Weg du Idiot! Auch wenn der Verkehr komplett steht und einfach nix mehr geht, gehupt wird trotzdem… Ich finde den deutschen Straßenverkehr ja schon zum Kotzen, aber hier würden mich ja keine 600 Pferde hinters Steuer bringen…

Und wenn ich jedem Homeless, der mich angebettelt hat einen Dollar gegeben hätte, hätte ich selbst zwei Tage auf's Essen verzichten müssen. Es gibt einfach so unendlich viele davon in dieser Stadt, dass ich schon garnichts mehr sage, sondern einfach versuche zu ignorieren und weitergehe. Manchmal sage ich vielleicht noch: I'm sorry, god bless you. Das klingt hartherzig und das Leid dieser Menschen ist unübersehbar unfassbar groß, aber die Flut der Schicksale überrollt einen sonst geradezu…

Ich muss das Bild mal hier posten; auf dem Schild stand etwas davon, dass sie schwanger ist. Ich will nicht ins Detail gehen, wie ich dazu stehe, und ich kenne ja auch keine Hintergründe, aber dass ein Paar mit seinem kompletten Haushalt so auf der Straße lebt/ leben muss, da läuft mir schon ein eiskalter Schauer über den Rücken…

Und weil ich so überlegt habe, wie billig man hier in New York überleben kann, habe ich das günstigste warme Essen der Stadt ausprobiert. Eine Slice Pizza für 99 Cent bzw. 1 Dollar. Und ich muss sagen, bei den 2Bros, die auch der Guide während der Rundfahrt empfohlen hat, schmeckte das Stück richtig lecker! Sind natürlich nur Käse und Tomaten drauf, aber frisch aus dem Ofen und fetttriefend ein richtiger Magenfüller…

(Gehört auch zum Straßenbild, der typische Ami-Truck)

Keinen Deut besser als zuhause

Woran lag das nur, dass ich so wahnsinnige Schwierigkeiten hatte die Augen während des Konzerts im Stone aufzuhalten? Vielleicht konnte mein Gehirn mit der Darbietung nichts anfangen und hat sich in den Leerlauf verabschiedet?

Jedenfalls ging es ziemlich genau 60 Minuten und bestand aus genau einem Titel, d.h. ohne Pause und Zwischenapplaus. Ich würde sagen, dies hat die Beschreibung „EXPERIMENTAL and AVANT-GARDE“ voll getroffen.

(Ohne Worte, also ohne Schriftzug…)

(Ach so, ja das hätte man ja jetzt auch fast von der anderen Strassenseite sehen können…)

(Ancients and Moderns, also Alt und Modern war der Titel für das Quartett aus Viola, Trombone, Drums/ Percussions und Piano/ Electronics)

(Ches Smith ist der Drummer, hat aber nix mit Chad Smith von den Red Hot Chili Peppers zu tun; schade…)

Mir fallen mindestens zwei oder drei Personen vom Trommlerstammtisch in Wiesbaden ein, denen das Konzert wahrscheinlich auch gefallen hätte. Bei mir war es eher so, dass ein erkennbares rhythmisches Muster eine Wohltat war. Nur waren diese Momente selten… Ein Erlebnis war es aber auf jeden Fall und mit 20$ auch noch OK.

Da der Abend noch so jung war, wollte ich auch noch einen Haken an das nublu in der gleichen Strasse machen. Ich bin zwei Mal vorbei gelaufen, bis ich endlich den Eingang entdeckt hatte.

Forro ist ein brasilianischer Tanz- und Musikstil, dessen Rhythmus durch die Zabumba (oben rechts im Bild) und die Triangel entsteht. Ein Akkordeon macht dabei die Melodie. Für mich war der Rhythmus zunächst ungewohnt, aber irgendwie wollte sich mein Körper dazu bewegen… Nach einer Weile hatte ich dann auch raus, wie die Tanzschritte dazu sein müssen; so eine Mischung aus Tippeln und Hüpfen. Und nach kurzer Zeit war mir dann auch klar, warum ein riesiger Ventilator auf die Tanzfläche gerichtet war; Forro ist eine ziemlich schweißtreibende Angelegenheit.

Nach Ende des ersten Sets war es dann auch schon Mitternacht durch, und ich musste lt. Google noch 20 Minuten zur Metro laufen. Also habe ich den Ausflug ins East Village beendet und bin im leichten Nieselregen durch eine sehr nette Wohngegend Richtung Lower Manhattan gelaufen. Das Wetter hat mich stark an die Heimat erinnert; so durchwachsen wie das hier die letzten 2 1/2 Wochen war, muss man nix entbehren im Vergleich zu Deutschland…